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Der kuhne Traum des Marathonmanns. Von Klaus Jongebloed.
Nach einem Arbeitsunfall ist Alexander Albrecht querschnittsgelahmt - Sport gab ihm Lebensmut

  

Lokales / Anzeigen 05431/9406-33. Abo-Service 05431/9406-22. Redaction 05431/9406-11. redaction@bersenbruecker-leisblatt.de

Quakenbruck Manchmal hat Alexander Albrecht einen Traum, der ofter wiederkehrt: "Ich traume, dass ich wieder arbeiten mochte. Und mit meinen Kollegen auf einem Dach herumgehe", sagt der 44 Jahre alte Quakenbrucker. Er lachelt dazu und ruckt dann seinen Rollstuhl zurecht.

Am 9. November 2000 hat sich schlagartig sein Leben verandert. "Es war ein Donnerstag. Eine halbe Stunde vor Feierabend", erinnert sich Albrecht. Als Dachdecker ging er seiner Arbeit nach. Lichtkuppeln auf einem Flachdach sollten umgebaut werden. Eigentlich nichts Ungewohnliches. "Die Baustelle war gut abgesichert", sagt Albrecht.

Dennoch ist er durch ein Loch gefallen. Sechs Meter tief. Auf Beton geknallt. Funf Tage lag er im Koma, wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt. "Eines Tages kam ein Arzt und sagte mir: ,Sie sind querschnittsgelahmt und werden nie wieder gehen konnen'" Albrechts Frau Katharina (39): "Das war wie ein Schlag ins Gesicht."

Die beiden stammen aus dem russischen Omsk. Zu einer Zeit, als dort "alles schlechter wurde, alle nach Deutschland gingen und wir nicht allein dort bleiben wollten", machten sich die beiden mit ihren damals noch drei Kindern auf den Weg in den Westen. Mechaniker, Lkw-Fahrer, Landwirt: In der Heimat hat Albrecht in vielen Berufen das Brot fur die Familie verdient. "Er war fruher standig auf der Arbeit, von fruh bis abends spat. Wir haben damals nicht viel voneinander gehabt", erzahlt Katharina.

Auch fur die Ehefrau hat sich nach dem Unfall einiges verandert. Jetzt ist ihr Mann standig zu Hause. Leicht ist dies fur beide nicht. "Fruher hat er immer anderen geholfen. Jetzt ist es umgekehrt." Alexander Albrecht hat seine muskulosen Arme auf den Schob gelegt, faltet die kraftigen Hande. Knetet sie. "Manchmal bin ich schon verzweifelt. Man mochte etwas machen, aber man kann es nicht."

Aber Albrecht hat ein Mittel gefunden, um den Mut nicht zu verlieren. Nach vier Monaten Rehabilitation in einer Hamburger Einrichtung hat er vor gut vier Jahren begonnen, mit einem speziellen Handbike auf Langstrecken Sport zu treiben. Das Sieben-Gang-Gefahrt kann er an einem Rennrollstuhl ankuppeln. "Meine erste Tour ging uber einen Kilometer", lacht Albrecht. Daraus ist mehr geworden. Zuweilen wird er zum Kilometerfresser, legt am Tag "zwischen 60 und 70 Kilometer" zuruck. Schon an vier Marathons hat er teilgenommen. Einen Tachometer hat der 44-Jahrige nach 17000 Kilometern ausgetauscht. Mit dem neuen hat er seit September 2004 bereits uber 10000 Kilometer abgespult. Ein langer Weg liegt hinter ihm. "Er musste vieles neulernen", sagt die Ehefrau. Anziehen, Duschen, Toilettengang. "Auch die Nachbarn haben mir sehr geholfen", sagt Albrecht.

Doch der Traum vom Gehen l?sst ihn nicht los. "Ich will wieder auf die Beine kommen", sagt er mit festem Willen. Und deshalb macht er sich am 17. Juli auf einen neuen langen Weg: Er fliegt nach Moskau zu einer Spezialklinik "Neurovita". Sie praktiziert eine bislang noch wenig angewandte Ruckenmarksmethode. Auch wenn Hamburger Arzte abgeraten haben, setzt Albrecht grobe Hoffnung darauf, um seinen Traum wahr zu machen. "Es kann nur besser werden." Wer Alexander Albrecht ebenfalls zur Seite stehen will, sollte sich bei Schmidt unter Telefon 05431/7962 melden.


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